Nachhaltige Forstwirtschaft: Eine Zukunft für unsere Wälder

Wälder sind nicht nur Lebensraum und Erholungsort, sondern auch Nutz- sowie Wirtschaftsfläche und vor allem wichtig fürs Klima. Damit sie uns langfristig erhalten bleiben, werden sie nach dem Prinzip der nachhaltigen Forstwirtschaft bewirtschaftet. Was das bedeutet, ob unsere Wälder tatsäch­lich sterben oder ob wir vor lauter Bäumen den Wald einfach nicht sehen, erfahren Sie jetzt.

Nachhaltige Forstwirtschaft – was ist das?

Der Begriff “Nachhaltigkeit” begegnet uns nahezu überall. Aber wussten Sie, dass der Ausdruck ursprünglich aus der Forstwirtschaft stammt? Hinter dem Prinzip der nachhaltigen Forstwirtschaft steht der Grundsatz, nicht mehr Bäume zu fällen als nachwachsen können. Auch wenn Holz ein nachwach­sender Rohstoff ist, braucht es Zeit, bis aus zarten Baumsetzlingen ein richtiger Wald wird. Nachhaltige Forstwirtschaft ermöglicht es, Wälder über Generationen zu erhalten und Holz als Baumaterial oder erneuerbare Energiequelle zu nutzen.

 

Das Interesse am Wald ist aber nicht nur rein wirtschaftlicher Natur. Wälder sind auch ein wichtiger Lebensraum für Tiere sowie Pflanzen und zugleich Wasserspeicher und Sauerstoffproduzenten. Die nachhaltige Forstwirtschaft trägt zum Klimaschutz bei, denn Bäume sorgen für gute Luft – sie nehmen CO2 auf und geben Sauerstoff ab. Und letztendlich sind Wälder auch Erholungsgebiete für die ganze Familie, in denen wir uns entspannen oder Sport treiben.

Wälder in Deutschland

Gut zu wissen: der Ursprung der nachhaltigen Forstwirtschaft

Bereits 1713 sprach der Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz von der “nachhaltenden Nutzung” des Waldes und legte mit seinem Buch “Sylvicultura oeconomica” den Grundstein für nachhaltige Forstwirtschaft. Sein Ziel war es, dass die Ökonomie des Waldes dem Allgemein­wohl dient. Schonender Umgang mit der Natur und Verantwortung für die künftige Generation – diese Werte begleiten uns noch heute, nicht nur im Zusammen­hang mit nachhaltiger Forstwirtschaft.

Wie verändern sich die Wälder in Deutschland?

Immer wieder kursieren Meldungen über das Waldsterben in Deutschland und Bilder zum Beispiel aus dem Harz, wo Trockenheit und der Borkenkäfer ihr Unwesen treiben und jede Menge Waldfläche verschwindet. Doch wie ist es um unsere Wälder bestellt? Ist die Schwarzmalerei übertrieben oder gibt es doch eine positive Entwicklung in unseren “grünen Lungen”?

 

Direkt ein positiver Fakt zu Beginn: Die Waldfläche in Deutschland nimmt zu! Seit rund 50 Jahren wächst die Fläche zwar langsam, aber stetig. Ein Grund zur Freude, denn in anderen Teilen der Welt verschwinden Wälder, zum Beispiel durch massive Rodung in den Tropen. Grund für das Wachstum ist die verantwortungsvolle, nachhaltige Forstwirtschaft hierzulande. Laut der dritten Bundeswaldinventur 2012 verfügt Deutschland über 11,4 Millionen Hektar Wald. Die Fläche wächst durchschnittlich um 176 Quadratkilometer im Jahr – das ist ein Wald so groß wie die Stadtfläche von Stuttgart! Die vierte Bundeswaldinventur (kurz: BWI) startete übrigens am ersten April 2021. Ende 2022 sollen alle Daten gesammelt sein. Wir sind gespannt!

 

Die BWI zeigte ebenfalls, dass die Anzahl der Laubbäume gestiegen ist. Auch die Vielfalt wird größer, Nadelwälder mit Monokulturen sind auf dem Rückzug: So hat zum Beispiel seit 2002 die Fichtenfläche abgenommen. Grund dafür ist nicht nur die Holzentnahme zur Nutzung, sondern auch natürliches Absterben, welches durch Stürme und Käferbefall beschleunigt wurde. Die kahlen Flächen sehen zwar zunächst unschön aus, sind aber kein Anlass zur Sorge. Diese Entwicklung der Fichtenwälder entspricht den forstpolitischen Zielen des Landes. Aufforstungsprojekte, beispielsweise von Nichtregierungsorganisationen, tragen ebenfalls zum Waldwachstum und zur Vielfalt bei.

 

Auch die naturnahe Waldstruktur mit einem großen Anteil Totholz trägt zur Biodiversität bei, denn abgestorbene Baumstämme und Äste auf dem Boden sind ein wichtiger Lebensraum für zahlreiche Waldbewohner. Letztendlich wächst sogar mehr Holz nach, als wir nutzen können.

Wem gehört der Wald?

In zahlreichen anderen Ländern der Welt sind die Wälder Staatsbesitz oder in Hand von Großkonzernen, in Deutschland jedoch nicht. Die deutschen Wälder gehören fast zur Hälfte privaten Waldbesitzern. 29 Prozent gehören den Ländern und etwa vier Prozent dem Bund. 19 Prozent der deutschen Waldes sind in der Hand von Kommunen und anderen Körperschaften. Übrigens: Nicht jeder Wald ist ein Forst. Lediglich wirtschaftlich genutzte Waldflächen bezeichnet man als Forst.

Deutsche Wälder: Alles im grünen Bereich?

Wald und Holz

Ein Blick auf die Fakten zeigt: Mehr als die Hälfte der Waldfläche in Deutschland besteht immer noch aus Nadelbäumen. Alte Buchenwälder zum Beispiel, die für den Klimaschutz besonders wichtig sind, machen nur einen sehr geringen Anteil der Waldfläche aus. Douglasien und Fichten hingegen wachsen schnell und liefern rasch Holz – der wirtschaftliche Nutzen ist hier besonders hoch. Deutschland ist Spitzenreiter beim Holz­export und aktuell befindet sich unser Holzvorrat auf einem Rekordniveau. Bei dieser intensiven Nutzung sollte man kritisch hinterfragen, wie stark der Nachhaltigkeitsgedanke tatsächlich verfolgt wird.

 

Durch Maßnahmen wie die Nationale Biodiversitätsstrategie möchte die Bundesregierung jedoch erreichen, dass die wirtschaftliche Nutzung der öffentlichen Wälder um zehn Prozent gesenkt und somit die natürliche Waldentwicklung gefördert wird.

Was können wir für unsere Wälder tun?

Damit unsere Wälder erhalten bleiben, können wir mit kleinen Taten helfen. Der “Waldknigge” gibt uns wichtige Tipps: bei Spaziergängen und Aus­flügen mit dem Rad auf den Wegen bleiben, keine Bäume und Pflanzen beschädigen, kein Feuer machen und Hunde stets anleinen. Selbstverständlich: Müll vom Picknick und Taschentücher gehören nicht auf dem Waldboden. Aber auch beim Einkaufen können wir auf die Herkunft von Holzmöbeln und Papierprodukten achten – Nachhaltigkeits-Siegel wie FSC oder PEFC stehen für zertifiziert nachhaltige Waldwirtschaft.

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