Wohnen in der Zukunft – die wichtigsten Trends und Prognosen

Fliegende Autos, vollautomatische Haushaltsroboter, das Holo-Deck im Keller oder gar Städte auf dem Mars? Ganz so weit möchten wir in diesem Artikel nicht gehen. Fakt ist jedoch: Viele Wohntrends, die sich gerade anbahnen, wurden noch vor wenigen Jahrzehnten als Science-Fiction belächelt. Oder wer hätte gedacht, dass wir heute Computer-Assistenten wie Alexa Befehle geben würden, um die Musik anzustellen oder das Licht zu dimmen?

 

Dabei ist die digitale Revolution längst nicht der einzige treibende Faktor. Auch das Schwinden natürlicher Ressourcen und der Klimawandel werden entscheidenden Einfluss auf das Wohnverhalten haben – genau wie die immer stärkere Verknappung des Wohnraums. Gleichzeitig erwarten Experten, dass sich Trends wie Hyper-Mobilität, alternative Lebensformen und die Verbindung von Arbeit und Freizeit auch architektonisch widerspiegeln werden.

Größe und Art der Wohnungen

Wohnraum wird bereits heute knapp, und das Problem dürfte sich in Zukunft noch verschärfen – vor allem in den Innenstädten. Die Flucht auf das Land wird jedoch nicht mehr so einfach möglich sein, wenn einer weiteren Zersiedelung der Landschaft dort Einhalt geboten werden soll.

Eine mögliche Lösung stellen sogenannte Mikroimmobilien dar: voll funktionstüchtige Wohnungen, in denen jeder Quadratmeter optimal ausgenutzt wird. Der Vorteil: Diese Wohneinheiten lassen sich flexibel platzieren, etwa zwischen bereits bestehenden Wohnhäusern oder auf den Dächern von Supermärkten. Experten rechnen so mit fast 3 Millionen zusätzlicher Wohnungen.

 

Noch ambitionierter wirken Pläne, die schwimmende Wohnungen auf dem Wasser schaffen wollen, um der Platznot Herr zu werden. Diese Konzepte werden bereits verwirklicht – etwa in den Niederlanden: Dort arbeiten Architekten an schwimmenden Städten, die nicht nur den Gezeiten trotzen, sondern sich auch komplett selbst mit Strom und Wasser versorgen.

 

Und wie sieht es mit der Höhe von Gebäuden aus? Werden wir bald alle in Wolkenkratzern leben? Laut Experten wird sich das nicht vermeiden lassen, wenn der horizontale Platz schwindet. Die Angst vor tristen Betonwüsten scheint aktuell jedoch unbegründet. Stattdessen geht der Trend hin zur „grünen“ City mit zahlreichen Bäumen und Sportmöglichkeiten im Freien.

Demografische Trends

Homeoffice

Wohnen im Vorort, Arbeit in der Innenstadt – dieses altbewährte Konzept geriet bereits im Zuge der Corona-Krise von 2020 ins Wanken. Das Home Office spart Arbeitnehmern nicht nur die Fahrt zur Firma, sondern ist auch für Arbeitgeber interessant, weil so die Kosten für Büro-Mieten, Strom und Heizung gesenkt werden.

 

Tatsächlich rechnen Forscher damit, dass die Grenze zwischen Freizeit und Arbeit immer stärker schwinden wird – auch geografisch. Städteplaner dürften auf diesen Trend reagieren und multifunktionelle, flexibel nutzbare Wohneinheiten bereitstellen. Wenn mehr Menschen dort arbeiten, wo sie wohnen, hat das natürlich auch Folgen für ihr Konsumverhalten. Plausibel sind daher neue Viertel, die eine Vielzahl von Dienstleistungen an einem Ort bieten: vom Einkaufszentrum über Friseure und Arztpraxen bis zu Schulen und Altersheimen.

 

Vielfältige Lebensmodelle sind ein weiterer Trend, der sich in Zukunft fortsetzen dürfte: etwa WGs, Patchwork-Familien und Mehrgenerationen-Haushalte. Bauherren könnten diesem Trend mit modularen Wohneinheiten begegnen: beispielsweise Containern, die sich flexibel erweitern, verbinden oder trennen lassen. So kann der Wohnraum in Windeseile neu angepasst werden, ohne viel Platz zu verbrauchen. Dazu kommen Gemeinschaftsräume, in denen sich die Bewohner einer Wohneinheit zu gemeinsamen Aktivitäten treffen können.

Baumaterialien

Ziegel und Beton stellen nach wie vor die beliebtesten Baumaterialien in Deutschland dar. Allerdings sind sie mit erheblichen Umweltschäden verbunden und basieren auf Ressourcen, die nicht unbegrenzt verfügbar sind.

 

Darum geht der Trend zum „grünen Bauen“. So experimentieren Wissenschaftler beispielsweise mit pflanzlichen Materialien, die mit geringem Gewicht und hoher Stabilität punkten. Holz erlebt als nachwachsende Ressource ein echtes Comeback, Stroh könnte bald flächendeckend die Gipsbauwand ersetzen, und schon 2019 wurde das erste Fertighaus aus Hanf eingeweiht. Auch die Bionik, das Imitieren von Mutter Natur, wird in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen, etwa in Form von pflanzlicher Wandfarbe, die Wasser und Schmutz wie ein Lotusblatt abperlen lässt.

 

Hier sind einige weitere Baumaterialien, die schon bald eingesetzt werden könnten:

  • Selbst-reparierender Beton, der Risse mithilfe von Bakterien schließt und daher wesentlich langlebiger ist als gewöhnlicher Beton
  • transparentes Aluminium, das die Durchsichtigkeit von Glas mit der Stabilität von Stahl vereint.
  • Ziegel aus Lehm, Wolle und Meeresalgen mit besseren Dämmeigenschaften als herkömmliche Ziegel
  • Kunststoffe aus pflanzlichen Ausgangsstoffen, die biologisch abbaubar sind und sich einfach recyceln lassen.

Bionik

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Von der Natur lernen

Möbel und Haushalts­gegenstände

Flexibel, benutzerfreundlich und nachhaltig - so stellen sich Experten die Zukunft der Inneneinrichtung vor. Ein Beispiel dafür sind smarte Materialien, die je nach Wunsch Farbe und Muster ändern. Statt das alte Sofa wegzuwerfen, könnte man ihm also auf Knopfdruck einen ganz neuen Look geben...  

 

Auch die Bedeutung von Recycling-Möbel dürfte in Zukunft immer wichtiger werden, wenn die Preise für Neumaterialien steigen. Und natürlich müssen Möbelbauer auf das Platzproblem reagieren, das wir bereits angesprochen haben – etwa durch flexibel anpassbare Schranksysteme und Betten, die sich im Handumdrehen in Sofas verwandeln lassen.

 

Werden wir unsere Möbel in Zukunft vielleicht sogar selbst herstellen? Aktuell mag es noch wie Science-Fiction klingen – doch mit sinkenden Preisen und mehr Bedienkomfort könnten die meisten Haushalte schon bald einen 3D-Drucker besitzen. Denkt man dieses Szenario zu Ende, das mit einfachen Gebrauchsgegenständen beginnt, ist der Schritt zur Schrankwand in Einzelteilen zum Ausdrucken nicht mehr abwegig.

Wohnen

Stromversorgung

Die Ära der fossilen Brennstoffe geht langsam, aber sicher zu Ende. Mittlerweile machen nachhaltige Energiequellen wie Windkraft, Solarenergie und Wasserkraft bereits 50 % des Strommixes in Deutschland aus – ein Trend, der sich im Zug der Energiewende noch verstärken dürfte.

 

Doch damit nicht genug. In Zukunft sollen immer mehr Häuser nicht nur Strom einsparen, sondern diesen auch selbst produzieren. Solarmodule werden beispielsweise immer günstiger und die Möglichkeiten, diesen Strom zu speichern, ausgereifter. Auch die Größe der Solarzellen verändert sich, sodass diese bald unauffällig in Hausfassaden integriert werden könnten.

 

Dazu kommen Konzepte wie das Plusenergiehaus, mit dem Immobilienbesitzer ihren Bedarf komplett decken können – und das mit minimalen CO2-Emissionen. Dieser Energieüberschuss kann dann ins Stromnetz eingespeist oder dazu genutzt werden, E-Autos aufzuladen.

Heizung und Warmwasser

Auch beim Heizen sind immer umweltfreundlichere Techniken auf dem Vormarsch – beispielsweise die Fernwärme, bei der Kraftwerke und Fabriken die anfallende Wärme über Leitungen an Haushalte weiterleiten. Bereits jetzt werden die Netze massiv ausgebaut, und neben fossilen Kraftwerken sollen Wind- und Solarenergie zur Fernwärme beitragen.

 

Auch die Wärmeerzeugung vor Ort dürfte eine weiter steigende Rolle spielen. Geothermie stellt beispielsweise eine nie versiegende Ressource dar, die Hausbesitzer mit Sonden und Kollektoren im Garten anzapfen können. Auch Solarthermie, die Umwandlung von Sonnenlicht in Wärme, gilt als großer Hoffnungsträger.

 

Bis ein Großteil der Haushalte über diese Techniken verfügt, kann es natürlich noch eine Weile dauern. Als Zwischenlösung kommen daher sogenannte Hybrid-Heizungen infrage, die fossile und erneuerbare Energieträger in einem Gerät vereinen. Sie verwenden z.B. nur bei Bedarf Gas– idealerweise Klimagas oder Gas aus nicht aus fossilen, sondern nachhaltigen Quellen wie Biomasse. Und wenn wir schon beim Stichwort Gas sind: Dieses soll in naher Zukunft nicht mehr verbrannt werden, sondern hoch-effiziente Brennstoffzellen zur Wärme- und Stromerzeugung antreiben.

Smart Home-Technologien

Smart-Home

Alle Vorgänge im Haus per Knopfdruck oder Spracheingabe steuern – das ist keine Zukunftsmusik mehr. Bereits heute bieten viele Hersteller Smart Home-Geräte an, und dieser Trend dürfte sich auch in den nächsten Jahren fortsetzen. Die Möglichkeiten scheinen endlos: vom Kühlschrank, der den Stand der Lebensmittel überwacht, über Schubladen mit Fingerabdruck-Sensor bis zum automatischen Lichtschalter.

 

Nicht nur der Wohnkomfort lässt sich so erhöhen. Smart-Häuser können auch den Energieverbrauch weitaus besser regulieren als Menschen: ein wichtiger Punkt in Zeiten schwindender Ressourcen. So könnten smarte Heizanlagen in Zukunft Nutzerprofile erstellen und somit für jeden Hausbesitzer die komfortabelsten und gleichzeitig sparsamsten Einstellungen verwenden – immer abhängig von Temperatur und Wetter, versteht sich.

 

Außerdem profitieren ältere Bewohner von der Sicherheit durch Smart Home-Systeme: Man denke nur an Kameras und Sensoren, die Unfälle in der Wohnung registrieren und sofort melden – oder an elektronische Assistenten, die Senioren bei der Haushaltsführung unterstützen. Damit könnten ältere Menschen in Zukunft wesentlich länger in ihrer eigenen Wohnung bleiben, ohne auf (menschliche) Hilfe angewiesen zu sein.

 

Also, wir sind gespannt: Hat das klassische Einfamilienhaus fürs Leben ausgedient? Werden wir mit wildfremden Menschen in völlig autarken Siedlungen leben – oder als nomadische Einzelgänger umgeben von Roboter-Assistenten?

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