Wie winterfest sind Falter & Co.?

Insekten erfüllen ökologisch entscheidende Aufgaben – als Nahrung, Blütenbestäuber und Entsorger. Zugleich sind sie auch bei uns in NRW von einem dramatischen Artenrückgang betroffen. Grund genug, mit Antworten zum Insektenschutz in Serie zu gehen. Folge 1: Wie Insekten überwintern und was wir in dieser Zeit für sie tun können.

Unordnung hilft beim Überleben

Um gut durch den Winter zu kommen, brauchen Insekten vor allem Rück­zugsmöglichkeiten: Orte, an denen sie ungestört und halbwegs sicher sind. Dazu gehören zum Beispiel Laubhaufen, Brombeerranken oder sogenanntes Totholz wie hohle Äste oder Stängel. Sollte Sie also bei strahlender Winter­sonne die Aufräumwut packen, gehen Sie lieber spazieren. Für die Insekten ist es am besten, wenn Sie in Ihrem Garten ein wenig Unordnung halten.

Blätterhaufen im Winter

Kältekünstler in Aktion

Ob Käfer, Falter oder Fliegen niedrige Temperaturen als unangenehm empfinden, wissen wir nicht. Sicher ist: Kälte und sogar Minusgrade sind für viele Insekten kein Problem; sie haben Strategien entwickelt, sich zu schütz­en. Die meisten von ihnen überstehen den Winter an einem geschützten Ort in der sogenannten Kältestarre. In diesem Zustand werden die Stoffwechsel­funktionen nahezu vollständig heruntergefahren, sodass der Körper kaum Energie verbraucht. So können Insekten die kalte Jahreszeit in jeder Form überleben – als Ei, Larve, gut verpackte Puppe und manche sogar voll­ständig ausgewachsen.

Zu Gast in Ritzen, Nischen, Ecken

Als ausgewachsene Tiere überwintern zum Beispiel einige Tagfalterarten wie der Kleine Fuchs und das Tagpfauenauge, aber auch Florfliegen und Marienkäfer. Sie alle suchen sich ein Winterquartier. Falter hängen kopfüber in Nischen und Nistkästen, auf Dachböden oder in Gartenhäuschen. Käfer warten gern unter trockenen Blättern oder im Falz von Fensterrahmen aufs Frühjahr und die Mauerbiene fühlt sich auch in Schraubenlöchern von Gartenmöbeln geborgen. Eins haben sie alle gemeinsam: Sie sind froh, wenn sie einfach bleiben dürfen.

Frostschutz im Blut

Sinken die Temperaturen zu stark ab, hilft Kältestarre allein nicht mehr weiter. In den Körperflüssigkeiten entstehen Eiskristalle, die Zellwände zerstören und zum Gewebetod führen. Doch einige Tiere sind in der Lage, das zu verhindern – darunter zum Beispiel der Zitronenfalter. Er stellt aus körpereigenen Alkoholen, Zucker und Eiweißen eine Art Frostschutzmittel her (Glycerin).
So kann er sich im Winter einfach „einfrieren“ lassen und Temperaturen bis zu – 20° C im Freien überleben. Mit etwas Glück finden Sie im eigenen Garten mal einen solchen “Zitroneneisfalter”.

Zitronenfalter im Winter

Aufwärmen verboten!

Ob Biene, Fliege, Käfer oder Schmetterling: Wen immer Sie im Winter drinnen oder draußen gut gekühlt vorfinden, sollten Sie keinesfalls ins Warme bringen! Für Insekten wäre das keine Rettung, sondern ein Todesurteil. Sobald sich ihr Körper erwärmt, verbraucht er auch Energie, findet aber keine Nahrung. Der Organismus von Insekten ist auf Winterruhe ausgelegt. Sechsbeinigen Besuch in Ihrer beheizten Wohnung dürfen Sie also im Herbst sogar guten Gewissens an die Luft setzen.

Dem Winter aus dem Weg fliegen

Auch das ist eine Strategie unter Insekten. So zieht es nicht nur Vögel, sondern auch die sogenannten Wanderfalter vor dem Winter in südliche Gefilde. Ein Beispiel: der Distelfalter. Er fliegt von Mai bis Juni bei uns ein, überwintert aber in Südeuropa. Um dorthin zu gelangen, nutzt er wie alle Wanderfalter ganz gezielt starke Rückenwinde. Auf diese Weise erreicht er Geschwindigkeiten von mehr als 100 km/h!

Zeit für einen guten Plan

Viel zu tun ist im Winter draußen nicht – aber die Pause bis zum Frühjahr lässt sich sehr gut nutzen, um einen insektenfreundlichen Naturgarten zu planen. Wichtige „Bausteine“: Sträucher und Bäume, Blühwiesen und -hecken, Staudenbeete, Totholz, Nisthilfen für Insekten, ein Teich oder eine Wassertränke, Trockenmauern. Überlegen Sie in aller Ruhe, was Sie um­setzen möchten und wo welche Elemente Platz finden könnten.

Vorfreude auf Vielfalt und Farbe

Die Fähigkeit, Farben zu sehen und Blüten zu unterscheiden, ist bei Insekten hoch entwickelt. Daher spielen Blumen und Stauden im Garten eine große Rolle. Bei der Zusammenstellung der einzelnen Pflanzen kommt es darauf an, dass möglichst immer etwas blüht, damit die Insekten jederzeit Nahrung finden. Das gilt für die gesamte sogenannte Wachstumszeit, die in Deutsch­land von April bis Anfang Oktober dauert. Tipps von Naturschutzprofis erleichtern Ihnen die Qual der Pflanzenwahl!

Achtung: unbedingt ungefüllt!

Mehrwert für Insekten haben nur sogenannte ungefüllte Blüten. Sie bieten freien Zugang zu den Staubgefäßen, die Nektar und Pollen enthalten. Bei gefüllten Blüten sind die Staubgefäße mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Zusätzliche Blütenblätter behindern die Sicht – und versperren Insekten den Weg zur lebensnotwendigen Nahrung. Gefüllte Blüten sind in der Regel das Ergebnis von Züchtungen. Ein Beispiel: die gefüllten Garten-Chrysanthemen.

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