Schwarmzeit

Bei unseren Bienen führt das Sommerwetter zu „Frühlingsgefühlen“ – aber anders, als wir es kennen. Was passiert und warum es ganz schön Arbeit macht erklärt uns unser Imker Sebastian.

Juli. Sommerzeit. Auch heute scheint die Sonne und es ist warm, darum geht es ab zu den Bienen. Schon von weitem höre ich das Brummen und Summen. Doch irgendetwas ist anders. Es ist laut, verdammt laut. Dann sehe ich, was die Stunde geschlagen hat: Ein Volk folgt seinem natürlichen Vermehrungstrieb und beginnt zu schwärmen…

 

Das Wetter der letzten Wochen und Monate führte dazu, dass sich die Völker ziemlich rasant und gut entwickeln konnten. Viel Nektar und Pollen in den Völkern, eine legefreudige Königin und genügend männliche Bienen. So kann es im Bienenstock schnell etwas eng werden – und irgendwann auch zu eng. Dann beginnt das Volk mit der Bildung von Weiselzellen (mich erinnern sie immer an Erdnüsse), aus denen neue Königinnen schlüpfen werden.

 

Kurz bevor die erste neue Königin schlüpft, beginnt das eigentliche Schwärmen. Die alte Königin verlässt mit einem Großteil des Volkes den Bienenstock, um sich eine neue Behausung zu suchen. Und seid versichert: Es ist ein unglaublicher Anblick, wenn binnen Minuten tausende von Bienen, regelrecht wie kleine Torpedos, aus dem Kasten fliegen. Dann wird es am Himmel wirklich etwas dunkler!

 

Es dauert nicht lang, dann sammeln sich alle Bienen des Schwarmes an einem Ort. Häufig an Bäumen und Sträuchern, aber auch am Haus oder gar an einem Auto. Dort lässt sich der Schwarm nieder und wartet anschließend auf die Rückkehr der Suchbienen, die ein neues zu Hause finden müssen.

Ist es soweit, macht sich der gesamte Schwarm auf den Weg - und ist schlimmstenfalls auf und davon.

 

Heute allerdings bin ich zur richtigen Zeit vor Ort. Für mich heißt es nun, den Schwarm wieder einzufangen. Zum Glück sammelt er sich an einem Baum, von wo ich ihn einfangen kann, indem ich einen großen Eimer unter den Schwarm halte. Mit einem kräftigen Schlag auf den Ast fallen die Bienen in den Eimer. Man kann sich vorstellen, dass ich gut klettern können muss, falls die Bienen weit oben in einem Baum sitzen 😉.

 

Nun habe ich zwei Möglichkeiten: Entweder, ich setzte die Bienen in einen neuen Stock und habe somit ein weiteres Volk, oder aber ich fange die Königin aus dem Schwarm heraus, so dass die übrigen Bienen wieder zu ihrem alten zu Hause zurückkehren. Ich entscheide mich für die zweite Variante. Es klingt etwas brutal, doch war die Königin schon ein paar Jahre alt und ich wollte sie ohnehin auswechseln.

 

Die Königin findet man am einfachsten, wenn man die Bienen auf einer Plane ausbreitet. Dann heißt es, genau hinzuschauen. Hierzu hatte ich Hilfe von Opa, da ich diese Variante zum ersten Mal durchgeführt habe. Und ein zusätzliches Augenpaar kann hier einfach nicht schaden 😊

Kaum war die Königin gefunden, hat es nicht lang gedauert, bis die Bienen wieder zurück zu ihrem eigentlichen zu Hause geflogen sind.

Gut, dass ich genau zu dieser Zeit nach meinen kleinen fleißigen Helfern geschaut habe - ein paar Stunden später vor Ort, wäre der Schwarm bereits verschwunden gewesen. In den nächsten Tagen wird nun die Jungkönigin schlüpfen und schon bald ihre ersten Eier legen.

Um die Schwarmbildung bzw. das Verschwinden eines Volkes so gut es geht zu verhindern, gibt es ein paar Punkte die ich immer beachten muss (aber wie man sieht, klappt es bei mir dann auch nicht immer):

  1. Ein Volk muss immer genügend Platz haben, um seinem Bautrieb (Mittelwände ausbauen) nachkommen zu können.
  2. Wenn nötig entnehme ich eine Wabe mit Brut aus dem Volk, bei dem es zur Schwarmbildung kommen könnte und stärke dadurch ein kleineres Volk.
  3. Finden sich Anzeichen von Weiselzellen, muss ich jede Wabe genau prüfen und die Zellen entfernenà genau hier habe ich nicht richtig aufgepasst und eine Zelle übersehen…

Glück gehabt!

 

Und nun mache ich Euch bei den zwischendurch schon heißen Temperaturen auf den nächsten Blog heiß: Im nächsten Teil kommen wir zu einem süßen Thema. Die Honigernte steht vor der Tür!

Kurz hat bei Imkern eine andere Zeitspanne…

… Wenn es mal heißt, ich fahre „nur kurz“ zu den Bienen, dann sieht das Auto häufig so aus.

Bildrechte

Sebastian Hellmund

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