Hype ums Elektroauto

In diesem Blog-Beitrag geht es um das Thema Laden und die Alltags­tauglichkeit der Stromer. Fortsetzung folgt.

Lustig - E-Auto mit Haushaltsbatterie auf dem Dach

Alles Lüge oder was?

Mythen über die Elektro­mobilität gibt es viele: zu teuer, zu klima­schädlich, zu wenig Lade­säulen, zu geringe Reich­weite … Und obwohl uns die E-Autos immer öfter im Straßen­bild begegnen, halten sich die Mythen hart­näckig. Es wird Zeit, die häufigsten Vorbehalte und die Fakten­lage einmal genauer zu prüfen.

„Beim E-Auto ist die Ladezeit zu lang“

Klar, wer es bisher gewohnt war, zum Tanken kurz an den Straßen­rand zu fahren, der muss sich mit einem E-Auto erst einmal umstellen. Trotz­dem: So pauschal stimmt das mit der „langen Leitung“ beim elektrischen Laden nicht. Denn die Lade­dauer kann sehr unter­schiedlich sein: je nach der im Fahrzeug einge­bauten Lade­technik, der Leistung der Lade­station in Kilo­watt (kW) und der der Akku­größe.

Im Ideal­fall wird das Elektro­auto in der eigenen Garage oder im Car­port aufge­laden. Dort steht es viele Stunden am Stück, sodass längere Lade­zeiten gar kein Problem sind. Zum Über­nacht­laden genügt in der Regel eine Wall­box mit bis zu 11 kW Ladel­eistung, damit ist jedes E-Fahr­zeug am nächsten Morgen startklar.

Strom an Ladesäule tanken
Mann zeigt verärgert auf seine Armbanduhr
Symbol - Parken mit E-Ladesäule

An den meisten öffent­lichen Lade­stationen mit 22 kW beträgt die Lade­dauer zwei bis vier Stunden. An Schnell­lade­säulen, die vor allem an Auto­bahnen stehen, laden E-Autos mit über 50 kW Gleich­strom – und die Batterie ist in 30 Minuten wieder zu 80 Prozent gefüllt. High Power Charger bieten sogar bis zu 150 kW oder 350 kW. Daran lädt man den Akku zur Weiter­fahrt in wenigen Minuten. Allerdings gibt es erst wenige Autos, die diese Leistung auch verkraften können und das sind eher die teuren Flagg­schiffe der Auto­bauer. Es gibt aber immer mehr Modelle, die mit mehr als 70 bis zu 110 kW laden können, so der ADAC. Zur Schonung der Batterie sollte man aber nur dann schnell laden, wenn es wirklich erforderlich ist. Ein dritter Faktor ist die Kapazität des Akkus: Je größer diese ist, desto länger ist die Lade­zeit und desto weiter kann man mit einer Füllung fahren.

„Es fehlen überall Schnell­ladestationen für E-Autos“

 

Richtig ist: Schnell­ladestationen, an denen man den Akku flott aufladen kann, sind wichtig, wenn man verreisen möchte oder keine Lade­möglichkeit zu Hause hat. Die Schnell­lader fehlen aber nicht überall, sondern vor allen an Auto­bahn­raststätten und an stark frequen­tierten Punkten, wie zum Beispiel auf Super­markt­plätzen. Wer seinen Stromer zu Hause lädt, muss nur noch selten öffentlich Strom tanken. Apropos: Auch Mieter*innen und Wohnungseigentümer*innen haben ein Anrecht darauf, eine private Wall­box an ihrem Stell­platz zu installieren.

Schild Schnellladestation

„Die E-Auto-Reichweite ist ungenügend“

Die Sorge, unter­wegs mit leerem Akku liegen­zubleiben, hält viele Auto­käufer*innen vom Abschied vom Verbrenner ab. Es gibt bei uns sogar ein eigenes Wort dafür: „Reich­weiten­angst“. Berechtigt oder übertrieben? Nach einer Statistik des Kraft­fahr­zeug­bundes­amts legten deutsche Auto­fahrer*innen 2021 im Schnitt 12.800 Kilo­meter mit dem eigenen Pkw zurück. Rein rechnerisch wurde jedes Auto also nur 35 Kilo­meter am Tag bewegt. Zum Vergleich: Das im ersten Halb­jahr 2022 am meisten verkaufte E-Auto in Deutsch­land, der Fiat 500 Elektro, kommt nach Angabe des Herstellers mit voller Batterie (bis 42 kW) 320 Kilo­meter weit, im Stadt­verkehr sogar noch weiter. Ganz im Unter­schied zu Pkw mit Verbrennungs­motoren haben Kurz­strecken beim Stromer keinen Einfluss auf Verbrauch und Verschleiß, da sie durch den Motor stark verzögern. Der fungiert dann als Generator und gewinnt Energie zurück, er „rekuperiert“. Für Pendler*innen eignen sich E-Autos deshalb allemal – und sie dürfen auch morgen garantiert noch in die Stadt, weil sie weder CO2 noch Fein­staub produzieren.

 

„Mit dem E-Auto kann ich nicht in den Urlaub fahren“

Auto mit Dachgepäck und Fahrradträger

Es stimmt: Auf der Lang­strecke stoßen E-Autos oft noch an ihre Grenzen. Doch die aktuellen Modelle haben mittler­weile größere Akkus und damit höhere Reich­weiten. Auch die einge­baute Schnelll­ade­technologie wird immer besser. Nach der Definition des ADAC gelten Elektro­autos dann als lang­strecken­tauglich, wenn sie bei einem 30-minütigen Tank­stopp Strom für 200 Kilo­meter nach­laden können. Das trifft für Akkus mit einer Kapazität ab etwa 60 kWh und Lade­leistungen ab rund 100 kW zu.

In den Urlaub reist man im herkömmlichen Pkw, ohne vorher groß nach­zudenken. Mit einem lang­strecken­tauglichen E-Auto kann man im Prinzip genauso unbesorgt los­fahren. Denn die serien­mäßigen Navis bei neueren Modellen kennen jederzeit die Reich­weite des Fahr­zeugs und planen die Lade­stopps auto­matisch mit in die Reise­route ein. Und Pannen? Der ADAC musste 2021 zwar deutlich häufiger ausrücken als im Vorjahr, um E-Auto­fahrer*innen zu helfen. Laut dem Auto­mobil­club dürfte das aber vor allem an den stark gestiegenen Zulassungs­zahlen liegen. Spezifische Elektro­auto-Bau­teile wie Akku, Elektro­motor oder Lade­technik waren dennoch selten für die Pannen verantwortlich.

„Beim E-Auto stimmen Preis und Leistung nicht“

Umwelt schonen und Zertifikat fürs E-Auto sichern

Halter*innen reiner E-Autos haben seit 2022 die Möglichkeit, beim Handel mit Emissionszertifikaten Geld zu verdienen und eine THG-Prämie in Höhe von rund 250 bis 350 Euro pro Jahr einzustreichen. Die Abkürzung THG steht für Treibhausgasminderungsquote. Wie die Auszahlung funktioniert, lesen Sie zum Beispiel beim ADAC.

E-Auto, Umwelt und Kosten

Richtig ist: Wenn man nur die reinen Anschaffungskosten im Blick hat, kommt man mit einem Benziner oder Diesel günstiger weg. Die üppige E-Auto-Förderung vom Bund macht jedoch den Preisnachteil zum Teil wieder wett. Beim Kauf eines reinen E-Fahrzeugs mit einem Nettolistenpreis unter 40.000 Euro zum Beispiel gibt es derzeit mit dem Umweltbonus, Innovationsprämie und dem Herstelleranteil noch eine Förderung in Höhe von bis zu 9.000 Euro. 2023 sinkt der Bundesanteil der Förderung auf 4.500 Euro (vorher: 6.000 Euro). Außerdem zahlt man bei einer Zulassung für reine E-Autos für zehn Jahre keine Kfz-Steuer.

 

Auch im Betrieb sind die Stromer deutlich günstiger. Das geht los bei den Werkstattkosten: E-Autos brauchen keinen Ölwechsel und haben kaum Bremsenverschleiß, da sie allein durch den Motor stark verzögern. Sie bestehen zudem aus weniger Teilen, und was nicht vorhanden ist, kann auch nicht kaputtgehen. Wer sein Auto an der privaten Wallbox mit einem vergünstigten Ökostrom für E-Autos lädt oder mit der Power aus der eigenen Photovoltaik-Anlage, kann ebenfalls eine Menge Mobilitätskosten sparen. Laut finanzip.de lohnt sich so ein Autostromtarif ab rund 14.000 gefahrenen Kilometern im Jahr. Ach ja: Ein vorausschauender Fahrstil spielt bei der Kostenbilanz ebenfalls eine Rolle.

„Im E-Auto durchsteht man im Winter keinen Stau.”

Zutreffend ist: Den Innen­raum eines E-Autos im Winter warm zu bekommen, kostet viel Batterie­strom und damit Reich­weite. Denn die effizienten E-Motoren erzeugen keine Abwärme, die zum Heizen genutzt werden könnte. Die molligen Temperaturen zu halten, ist dagegen nicht sehr energie­aufwendig. Moderne E-Autos, die den Innen­raum meist mit einer Wärme­pumpe beheizen (und im Sommer auch kühlen), benötigen bei Minus­graden nur etwa 0,5 bis 1 kW für konstante 22 Grad, hat der Auto­mobil­club ACE berechnet. Rein hypothetisch ließe sich mit einem 50-kWh-Akku selbst ein 50- oder 100-stündiger Mega­stau durchstehen, ohne zu frieren. Bei längeren Auto­bahn­fahrten im Winter sollte man trotzdem immer 25 Prozent Rest­reich­weite als Puffer einplanen, rät der Auto­club.

Tipp:

Im Winter steht das E-Auto nachts am besten in der Garage, damit die Batterie nicht zu sehr auskühlt. Ideal, wenn es dort eine Wallbox gibt. Denn viele Modelle können dann per App schon beim Laden mit Strom aus dem Netz vorgewärmt werden. Übrigens Beleuchtung, Radio, Navigation und Multimedia wirken sich nicht so stark auf die Reichweite von E-Autos aus.

„Elektroautos machen keine Geräusche und gefährden Fußgänger “

Grafik - E-Auto-Geräusche

Das gilt nur für ältere Modelle. Seit dem 1. Juli 2021 müssen neue Elektro- und Hybrid-Fahr­zeuge bis Tempo 20 km/h künst­lich erzeugte Warngeräusche von sich geben, damit Fuß­gänger*innen oder Fahrrad­fahrer*innen sie besser hören. Bei höherer Geschwindigkeit sind auch E-Autos wegen der Reifen­geräusche laut genug, um gehört zu werden. Ansonsten aber stimmt es: Die Stromer machen viel weniger Lärm als Diesel oder Benziner und sorgen für leisere Töne in der Stadt.

Elektromobilität: mehr Pro als Contra

Die Elektro­mobilität hat die Alltags­tauglichkeit erreicht. Vor allem für kurze und mittlere Strecken besitzen E-Autos großes Potenzial. Das Problem mangelnder Reich­weite und Lade­infrastruktur stellt sich für viele Auto­fahrer*innen gar nicht, weil sie ihr Fahr­zeug zu Hause aufladen können. Im zweiten Teil unseres Fakten­checks (ab 22. September 2022 online) widmen wir uns der Öko­bilanz der E-Autos und den Heraus­forderungen der Mobilitäts­wende. Bleiben Sie dran!

 

Bildquellen:

AdobeStock_519192683
AdobeStock_215935132
AdobeStock_161492682
AdobeStock_330866484
AdobeStock_439270093
AdobeStock_131480676
AdobeStock_291586012
AdobeStock_303386948
AdobeStock_318319139

Mehr in dieser Kategorie

Tipps vom Kundenberater: Den Strom­zähler richtig ablesen

Um euren jährlichen Strombedarf zu ermitteln, muss der Zähler abgelesen werden. Wie das richtig geht und worauf man achten muss, erklären wir euch.

Jetzt lesen