So setzen sich die Energie­preise zusam­men

Im Herbst ziehen die Energiepreise häufig die Aufmerksamkeit vieler Menschen auf sich. Gegen Jahresende werden aktuelle Prognosen veröffentlicht, wie hoch die Kosten für die Energiewende im kommenden Jahr ausfallen werden. Als Verbraucher*in betrifft Sie diese Art von Preisanpassung ebenfalls, denn die Höhe der Umlagen, Steuern und Abgaben wirkt sich letztendlich auf Ihre Energierechnung aus. Welche Faktoren beeinflussen überhaupt den Strom- und den Gaspreis? Wie setzen sich die Energiepreise zusammen? Diese Fragen beantworten wir Ihnen jetzt.


Anpassung der Energiepreise im Herbst

Im Herbst ist es oft wieder soweit: Sie finden in Ihrem Briefkasten ein Schreiben Ihres Versorgers, das Sie über die Anpassung der Energiepreise informiert. Dabei können die meisten Verbraucher nicht auf einen Blick erkennen, wie sich die Energiepreise im Detail zusammensetzen. Steuern, Umlagen, Netzentgelte und Stromeinkauf: Klingt verwirrend? Dann erklären wir Ihnen nun die wichtigsten Preisbestandteile und zeigen Ihnen, wie die Preisanpassungen beim Strom- und Gaspreis zustande kommen.

Wie setzt sich der Strom­preis zu­sam­men?

Stromrechnung

Wie viel der Strom kostet, den Sie beziehen, hängt im Wesentlichen von drei Faktoren ab:

 

  1. Abgaben, Steuern und Umlagen: In Deutschland wird der Verbrauch von Strom besteuert – mit der Stromsteuer. Die Mehrwertsteuer ist natürlich auch enthalten. Des Weiteren dienen verschiedene Umlagen dazu, unter anderem den Ausbau der erneuerbaren Energien zu fördern. Diese gesetzlich festgelegten Anteile machen mit 52,5 Prozent mehr als die Hälfte des gesamten Strompreises aus.
  2. Netzentgelte: Der Netzbetreiber transportiert und verteilt Energie an die Endverbraucher*innen. Für diesen Service erhalten die Netzbetreiber die sogenannten Netznutzungsentgelte. Sie machen 24,6 Prozent des Strompreises aus.
  3. Stromeinkauf, Service und Vertrieb: An der Strombörse wird der Strompreis gehandelt – abhängig von den jeweiligen Marktbedingungen. Ebenso entstehen Kosten für Kundenservice, Angebote, Mitarbeiterkosten und Vertrieb. Diese Preisbestandteile sind die einzigen, die wir als Energieversorger beeinflussen können. Sie machen einen Anteil von 22,9 Prozent aus.
Strompreis für Haushalte 2020 - Quelle BDEW

War Ihnen bisher bewusst, dass mehr als die Hälfte des Strompreises durch gesetzlich vorgeschriebene Bestandteile wie Steuern, Abgaben und Umlagen sowie Kosten für den Netzbetreiber zustande kommt? Im Preis für eine Kilowattstunde Strom sind nicht nur Stromsteuer und Mehrwertsteuer enthalten, sondern auch zahlreiche Umlagen:

●    EEG-Umlage
●    KWK-G-Aufschlag
●    Offshore-Haftungsumlage
●    Umlagen für abschaltbare Lasten
●    Umlage nach § 19 Abs. 2 der StromNEV


Wenn Sie sich für die einzelnen Aufschläge im Detail interessieren, habe wir hier für Sie alle Umlagen und Steuern aufgelistet.

Zu­sam­men­set­zung der Gas­preise

Gasflamme / Gasherd

Der Gaspreis setzt sich ähnlich wie der Strom­preis zu­sammen. Auch hier sind es drei Fak­toren, die fest­legen, wie viel die Verbraucher*innen für einen Kubik­meter Gas be­zahlen müssen. Beim Gas­preis sieht die Gewich­tung jedoch ein wenig anders aus als beim Strom­preis. Die An­gaben be­ziehen sich auf ein Einfamilien­haus:

 

  1. Steuern, Abgaben und Umlagen: Mehr als ein Viertel machen diese staatlich veran­lassten Preis­bestand­teile aus. Mit 26 Prozent stellen sie einen nicht un­be­deu­tenden Anteil des Gesamt­preises dar. Ab 2021 erwartet die Verbraucher*innen eine weitere neue Ab­gabe, die ebenfalls der Energie­wende dienen soll: Der CO2-Preis.
  2. Netzentgelte: Um das Gas­netz zu nutzen, ist auch hier ein Ent­gelt fällig. Der Anteil beläuft sich auf rund 27 Prozent. Allerdings schwankt die Höhe des Netz­ent­gelts je nach Region, viel stärker als beim Strom­preis.
  3. Beschaffung und Vertrieb: Mit 47 Prozent machen die Beschaffungs­preise am Erd­gas­markt den größten Anteil am Gas­preis für die Endkund*innen aus.

Für ein Mehrfamilienhaus weichen die Werte bei der Zusammensetzung des Gaspreises um ein bis drei Prozent ab.

Grafik Gaspreis Haushalte - Quelle BDEW

Alle Energie­versorger in Deutsch­land sind dazu verpflichtet, die Kund*innen regel­mäßig und zuver­lässig über Änderungen der Energie­preise zu infor­mieren. Deswegen erhalten Sie in der Regel bei Preis­anpassungen In­for­mationen Ihres Versorgers. Unser Team von Erenja steht Ihnen für Rück­fragen jederzeit persön­lich, telefonisch oder online zur Verfügung.

Energienetze - hier Stromnetz

Aufgaben des Netzbetreibers

Hier können Sie Ihren Stromnetzbetreiber oder Ihren Gasnetzbetreiber herausfinden.

Wissen Sie, wer Ihr Netz­betreiber ist? Die Netz­betreiber für Strom und Gas sind dafür zu­ständig, dass Industrie, Gewerbe und Haus­halte rund um die Uhr mit Energie versorgt werden. Die Strom- sowie Gasnetze aus­zu­bauen und instand zu halten ist Aufgabe des Netz­betreibers, damit die Energie­netze im ganzen Land reibungs­los funktionieren. Das bedeutet zum Bei­spiel, dass in Zukunft der gesamte Strom, der in den Offshore-Windparks in der Nord­see erzeugt wird, quer durch Deutsch­land bis nach Bayern und Baden-Württemberg transportiert werden kann. Das funktioniert über ein riesiges Netz an Leitungen: Mehr als eine halbe Million Pipelines bringen das Erd­gas nach Deutschland und in die verschiedenen Regionen. Zusätz­lich zu den Fern­leitungen gibt es ein engmaschiges Netz an Gas­leitungen, die das Gas zu den Verbraucher*innen in die Wohnung liefern.

 

Dank des sogenannten “Unbundling” (auf Deutsch: Entflechtung) wird der Netz­betrieb von der Energie­erzeugung und dem Vertrieb getrennt. Das Ziel beim gesetz­lich vor­ge­schriebenen Unbundling ist ein neutraler Netz­betrieb ohne Wett­bewerbs­vorteile: So herrschen für jeden Energie­lieferant gleiche Bedingungen beim Zugang zum Strom- und Erd­gas­netz. Zudem muss jeder Lieferant die gleichen Netz­ent­gelte an die örtlichen Netz­betreiber entrichten, so wie eine Art Straßen­maut. Übrigens: Im Gegensatz zum Energie­lieferanten kann man als Verbraucher*in den Netz­betreiber nicht wechseln. Abhängig von Wohnort und Region sind Sie an einen Netz­betreiber gebunden. Wer das in Ihrem Ort ist, können Sie mit Hilfe des 13-stelligen Netzbetreiber-Codes auf Ihrer Energie­rechnung ermitteln.
 

Netzentgelte für Gas und Strom

 Die Leistungen, die der Netzbetreiber erbringt, sind nicht kostenlos. Um die Strom- und Gasnetze zu nutzen, wird ein sogenanntes Netzentgelt für die Verbraucher*innen fällig. In Deutschland sind die Netzentgelte in den letzten Jahren gestiegen. Das liegt unter anderem am stetigen Ausbau der erneuerbaren Energien. Die Netzbetreiber müssen das Stromnetz systematisch ausbauen, um starken jahreszeitlichen Schwankungen bei der Stromerzeugung aus Solarenergie oder Windkraft zu begegnen. Auch die technische Integration der Anlagen ins Stromnetz verursacht Kosten.

 

Damit das Erdgas von A nach B transportiert werden kann, sind ebenfalls Netzentgelte fällig. Die Kosten dafür hängen gleichermaßen von der Region und dem Netzanbieter ab. Preisliche Anpassungen bei den Netzentgelten geschehen ebenso jedes Jahr im Herbst, sowohl für Strom als auch für Gas.

 

Zusätzlich im Netzentgelt enthalten sind Entgelte für Abrechnungen, Messungen und den Messstellenbetrieb, um das Netz zu kontrollieren und instand zu halten. Auch beim Gasnetz sind Konzessionsabgaben an die Kommune fällig, um öffentliche Straßen und Wege für das Verlegen von Leitungen zu nutzen. Vielleicht erinnern Sie sich an die ein oder andere Baustelle Ihres Netzbetreibers, wo an den Leitungen gearbeitet wurde.
 
Bei Fragen zu Ihrer Energierechnung sind wir gerne für Sie da!

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Grafik Gaspreis BDEW

Grafik Strompreis BDEW

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