Bienen können mehr als Honig

Mögt Ihr den Geruch von Bienenwachs? Ich auch! Und darum ist es für mich auch eine der besonders schönen Seiten meines Hobbys, wenn ich im Winter im Keller stehe und alles nach frischem Bienenwachs duftet. Wann das so ist? Immer, wenn ich mich um unseren Wachskreislauf kümmere …

Arbeitsbereich des Imkers

Mein Arbeitsbereich: rustikal aber zweckdienlich.

Sebastian Hellmund

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Bienen produzieren neben Honig immer auch Wachs, um damit ihre Waben zu bauen. Diese sind ursprünglich hellgelb, werden durch das Bebrüten und die damit verbundene Einlagerung von Schmutz (etwa Pollen) mit der Zeit aber bräunlich-schwarz. Aus hygienischen Gründen entnimmt der Imker dann die „alten“ Waben und setzt saubere Wachsmittelwände ein, auf denen die Bienen dann wieder ihre Waben bauen. Das „schmutzige“ Wachs wird gereinigt, um draus neue Mittelwände zu gießen – dies nennt man den Wachskreislauf der Imker.

Bevor ich erkläre, wie das Wachs gereinigt und die Mittelwände gegossen werden, ein paar Infos zur Wachsgewinnung. Hauptsächlich nutzt man natürlich die alten Waben. Eine weitere, nicht unwesentliche Wachsquelle, ist das Entdeckelungswachs, welches im Rahmen der Honigernte anfällt. Die einzelnen Zellen einer Honigwabe sind mit Wachs verschlossen. Um den Honig nun aus der Wabe zu bekommen, gibt es eine Art Kamm, mit dem das Wachs vorsichtig entfernt - und für weitere Nutzung aufgehoben - wird. Eine dritte Quelle ist das Wachs aus ausgebauten Drohnenrähmchen, hierzu informiere ich in einem der folgenden Blogs mehr.

Wachs liegt uns also in ausreichender Menge vor, aber wie beschrieben ist es „schmutzig“: neben Pollen und Honigresten befinden sich noch weitere Verunreinigungen in den Waben, die es zu entfernen gilt. Ohne großen Aufwand behilft man sich hierfür der Kraft der Sonne: eines Solarschmelzers, um genauer zu sein (ab diesem Sommer habe ich einen eigenen und zeige ihn dann gern). Die entnommenen Waben und ggf. weiteres Wachs werden in den Behälter gelegt und die Sonne erledigt die Arbeit für uns. Das Wachs läuft durch ein Gitter in einen Auffangbehälter, wodurch grobe Verschmutzungen direkt entfernt werden. Anschließend wird das noch flüssige Wachs durch feine Siebe oder ein Baumwolltuch gefiltert und abgekühlt. Grober Schmutz sammelt sich auf der Unterseite des so entstandenen Wachsblocks und kann manuell entfernt werden. Dieser Prozess wird so oft wiederholt, bis unser Wachsblock so gut gereinigt ist, dass wieder neue Mittelwände gegossen werden können.

Fertig gegossene Mittelwand

Eine fertig gegossene Mittelwand.

Fragt Ihr Euch grade, warum ich mir diese Arbeit überhaupt mache? Ich könnte doch auch einfach fertige Mittelwände kaufen oder zumindest bereits gereinigtes Wachs?
Nun, zum einen wäre es zu schade, das anfallende Wachs nicht zu nutzen. Zum anderen gab es in der Vergangenheit mehrfach das Problem, dass in gekauftem Wachs bzw. Mittelwänden Pestizide und andere Stoffe gefunden wurden. Durch die Verwendung sind schon viele Völker ums Leben gekommen. Diesem Risiko möchte ich mich einfach nicht aussetzten. Der Wachskreislauf ist einfach Teil des Imkerlebens – also meines Hobbys. Und wie gesagt: einen Teil der Freizeit umgeben vom Geruch nach Bienenwachs zu verbringen ist nicht das Schlechteste 😉.

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Sebastian Hellmund

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